Games vs. Utilities: sehr unterschiedliche App-Store-Screenshot-Muster
Die meisten ASO-Ratschläge mitteln über alle Kategorien hinweg und produzieren einen weichen Kompromiss, der niemandem wirklich passt. Die Divergenz zwischen Games und Utilities ist die extremste – und der nützlichste Ausgangspunkt: Jede andere Kategorie liegt näher an einem der beiden Pole.
Wofür Games optimieren
Die Aufgabe des Screenshots bei einem Game: Stimmung, Action und „das macht Spaß“ innerhalb von 300 ms beim ersten Blick auf das Thumbnail vermitteln. Spieler lesen keine Untertitel – sie fühlen den Screenshot.
Was funktioniert:
- Action-Shots statt UI-Shots. Der Charakter im Sprung schlägt den Inventar-Screen. Der Boss-Kampf schlägt das Menü.
- Atmosphäre durch Licht und Farbe. Dunkel, stimmungsvoll, lebendig, gesättigt. Das Karussell wirkt wie ein Mini-Trailer, nicht wie eine Feature-Tour.
- Wenig Text oder kein Text. Viele Top-Games nutzen Karussells mit Ein-Wort-Untertiteln oder ganz ohne. Der Screenshot selbst übernimmt das Verkaufen.
- Randlos / vollflächig. Lass den Geräterahmen weg. Das Artwork ist der Inhalt.
- Starke Typografie für das Schlüsselwort. Wenn du Text verwendest, mach ihn groß und fett wie ein Filmplakat – nicht informativ wie eine Feature-Liste.
Wofür Utilities optimieren
Die Aufgabe des Screenshots bei einer Utility: vermitteln, was die App tut, dass sie sauber und vertrauenswürdig ist, und dass der Nutzer in 30 Sekunden produktiv sein kann. Nutzer überfliegen Untertitel, um die App zu qualifizieren.
Was funktioniert:
- Klare UI-Shots. Zeig die echte Benutzeroberfläche. Lass stilisierte Renders weg.
- Untertitel, die Features konkret beschreiben. „Track your spending in real time“ schlägt „Manage your money“. Konkrete Verben schlagen Markenversprechen.
- Zurückhaltende Farbpaletten. 2–3 Farben. Viel Weißraum.
- Geräterahmen vorhanden und einheitlich. Der Rahmen signalisiert: „Das ist eine echte Phone-Oberfläche, kein Marketing-Blendwerk“.
- Die Panel-Reihenfolge zählt. Beginne mit dem Feature, das das Wertversprechen etabliert; Panel 2 zeigt das zweitwichtigste Feature; Panels 3–5 sind Differenzierungsmerkmale.
Welche Ratschläge sich schlecht übertragen lassen
Das sind die Übertragungs-Fehler, die wir am häufigsten sehen:
- „Verwende um jeden Screenshot einen Geräterahmen.“ Richtig für Utilities. Schadet Games – der Rahmen bricht die Immersion und lenkt vom Artwork ab.
- „Untertitel müssen Features konkret beschreiben.“ Richtig für Utilities. Kontraproduktiv für Games, wo der Untertitel ein Gefühl wecken soll, keine Mechaniken aufzählen.
- „Halte die Palette zurückhaltend.“ Richtig für Utilities. Falsch für Games, wo Sättigung und Kontrastumfang die Stimmung tragen.
- „Dark mode gewinnt immer.“ Eher zutreffend für Games, für Utilities außerhalb bestimmter Kategorien häufig falsch. Siehe Dark mode vs. light mode.
- „Panel 1 soll das Haupt-Feature zeigen.“ Richtig für Utilities. Bei Games soll Panel 1 den eindrucksvollsten Moment zeigen – der ist selten das „Haupt-Feature“.
Wo die Zwischen-Kategorien liegen
Die meisten Apps sind weder reine Games noch reine Utilities. Eine grobe Faustregel:
- Eher spielseitig: Games, Musik-Apps, Foto-Editoren, KI-Kunst, Dating, Social (TikTok/Instagram/BeReal), Entertainment-Streaming.
- Eher utility-seitig: Produktivität, Finance, Bildung, Business, Developer-Tools, Gesundheits-Tracking, Navigation.
- Echte Mitte: Wellness/Meditation, Fitness, Journaling, Lifestyle. Diese Kategorien unterstützen beide Ansätze; die Markenpositionierung trifft die Entscheidung.
Der Hybrid-Fehler
Apps in der Mitte versuchen oft beides. Die eine Hälfte der Panels sind atmosphärische Stimmungsbilder, die andere Hälfte sind listenartige Utility-Shots. Das funktioniert selten – das Karussell wirkt unschlüssig. Entscheide dich für eine Richtung und bleib dabei. Wenn der Kernwert deiner App „ruhiges und schönes Erlebnis“ ist, geh eher spielseitig und akzeptiere, dass manche Nutzer die Features nicht aus den Screenshots herauslesen. Wenn der Kernwert „leistungsfähiges Werkzeug für X“ ist, geh eher utility-seitig und akzeptiere, dass die atmosphärische Magie am besten nach der Installation erlebt wird.
Wie du herausfindest, auf welcher Seite deine App steht
Drei Fragen:
- Werden Nutzer auf „Installieren“ tippen, weil sie ein Gefühl haben – oder weil sie verstehen, was die App tut?
- Erinnern sie sich zwei Tage später an deine App wegen der Stimmung oder wegen des Nutzens?
- Wenn sie einem Freund davon erzählen – beschreiben sie das Erlebnis oder die Funktion?
Lauten die Antworten Gefühl / Stimmung / Erlebnis – geh eher spielseitig. Lauten sie Verstehen / Funktion – geh eher utility-seitig.
Was du diese Woche tun kannst
- Ordne deine App ehrlich ein: spielseitig, utility-seitig oder echte Mitte.
- Schau dir die Top 10 Apps in deiner Kategorie an. Häufen sie sich um einen Ansatz? Das ist deine Kategorie-Konvention.
- Überprüfe dein aktuelles Karussell anhand der Konventionen für deine Seite. Wo machst du das Falsche für deine Kategorie?
- Mach eine mutige Überarbeitung in Richtung deiner Kategorie-Konvention. Teste sie.